Vortrag von Annika Lisa Richter
„If you need me, I’m (still) in the basement!“ – Kunst und Feminismus in Wissenschaft, Institutionen und Aktivismus
Ausstellungsansicht: MdbK, Museum der bildenden Künste Leipzig / Klasse Installation und Raum HGB Leipzig: Unterschätzt. Künstlerinnen in Leipzig um 1900 – If you need me, I‘m (still) in the basement! (2022).
„Why Have There Been No Great Women Artists?“, fragte schon 1971 die US-amerikanische Kunsthistorikerin Linda Nochlin. Wenig später legte das aktivistische Künstler*innenkollektiv Guerrilla Girls nach und zielte mit seiner provokativen Frage „Do Women Have To Be Naked To Get Into the Met. Museum?“ auf das Missverhältnis zwischen nur wenigen ausgestellten Künstlerinnen und zahlreichen weiblich vergeschlechtlichten Akten in einem namhaften Ausstellungsbetrieb. Dass die Frage nach einer Gleichberechtigung der Geschlechter auch im Kunstbetrieb nicht an Aktualität verloren hat, zeigt sich nicht nur an #metoo, sondern auch am Gender Pay Gap sowie dem Gender Show Gap, der die geringere Sichtbarkeit von Künstlerinnen im Ausstellungswesen aufzeigt.
Der Vortrag wirft Schlaglichter auf das Verhältnis von Kunst und Feminismus in Wissenschaft, Institutionen und Aktivismus. Anhand künstlerischer Beispiele vom Mittelalter bis zur Gegenwart werden u.a. folgende Fragen diskutiert: Welche feministischen Perspektiven gibt es in der Kunstwissenschaft? Inwiefern kann künstlerische Praxis auch Aktivismus sein? Und in welcher Form können sich aktuelle Debatten zu Dekolonialität und Diversität und Perspektiven der Kunst(geschichte) gegenseitig bereichern?